Mein erster 12 h Lauf in Lebach beim Lions Club
Da auch ich ein neugieriger Mensch sein kann, wollte ich herausfinden wie das so ist bei einem 12 h Lauf mitzumachen. Der Plan war, erst mal 6 h und dann gucken wie es so läuft:-) Gesagt getan. Morgens um kurz vor 8 Uhr in Lebach gelandet, jede Menge frühaufstehende Lis-ler und bekannte Gesichter getroffen und nach dem Startschuss gemütlich losgejoggert. Erst waren es nicht soviele Läufer, die ihre Runden drehten aber im Laufe des Morgens wurden es immer mehr. Die erste Stunde verging wie im Fluge, mal ein paar Runden mit dem einen mal mit dem andern mal mit einer größeren Gruppe unterwegs war es kurzweilig und vor allem amüsant. Die Favoriten hatten zu Anfang ein Tempo drauf, was ich nicht mal auf 10 km laufen kann. Die Sonne gab gestern ihr Bestes. Von Anfang bis Ende strahlte sie auf uns herunter. Jede Stunde wurden die aktuellen Ergebnisse über Lautsprecher durchgegeben und so wusste man stets wieviel Runden die schnellsten so gelaufen hatten. Nach etwa drei Stunden machte ich eine kurze Pause, in der ich eine Handvoll Energie zu mir nahm und ein Stück mit den Mädels spazierte. Dann ging es weiter auf die Bahn. Das schöne an solch einer Veranstaltung ist wirklich, dass man einfach mal Zeit und Raum hat sich mit allen, die man so kennt in Ruhe zu unterhalten. Auch die, die normalerweise nicht mein Tempo haben. Irgendwann trifft man alle einmal. Das ist richtig toll. Zwischendrin verpflegte ich mich stets mit Wasser und Isogetränken, ließ mich vom Gartenschlauch duschen und kühlte meinen Kopf ab. Es war schon ziemlich heiß. Als unsere Lust, nach etwas anderem als Wasser schließlich nicht mehr zu ignorieren war, spendierten zwei liebe Freunde eine Runde ERdinger Alkoholfrei, was dann unterwegs auf der Bahn getrunken wurde. Nach etwa 5 h gab Grojo höchstpersönlich mir sein letztes Stück Brezel ab:-) ich werde dir für immer dankbar sein, Joachim:-) Nach 6 h machte ich die nächste Essens- und Spaziergehpause. Die Halbzeit hatte ich geschafft! Aber komischerweise hatte ich nicht das Gefühl aufhören zu wollen… also einfach weiter, schön langsam und gemütlich Runde für Runde über die Bahn. WEnn zwischendurch mal die Füße oder Beine wehtaten, mal ein oder zwei Ründchen gehen. Wenn dann wieder ein motivierendes Musikstück aus den Lautsprechern dröhnte, wieder ran im Lauftempo. Schließlich war es so, dass einige, die vorher in der Platzierung vor mir lagen aufgehört hatten und ich dadurch auf Platz drei gelandet war. Da war es natürlich mit Aufhören vorbei. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich bei solch einer Veranstaltung irgendwelche Chancen hätte. Also ging es einfach weiter. Zwischendurch mal Boxenstop eingelegt, ein Gründels Fresh getrunken, was gefuttert und weiter, weiter, weiter. Ohne das Gefühl, dass ich nicht mehr will oder nicht mehr kann. Gute Laune bis zum Schluss. Richtig sprochen während dem Laufen war schon etwas anstrengend, aber ich hab auch viele der Runden schön meditativ allein verbracht. Nach der 9. Stunde wurde es auch etwas kühler, allerdings hatte die Sonne ziemlich meine Waden gebraten, sie waren fast gar:-) Ein paar Blasen konnte ich auch unterwegs spühren, aber was sind schon ein paar Blasen… gegen dieses tolle Gefühl. Irgendwann waren die 50, dann die 60, dann die 70 km überschritten. Schließlich waren es nur noch zwei Stunden und das Grinsen im Gesicht festgetackert. Ich konnte einfach nicht anders. Ich war schon happy obwohl es noch nicht vorbei war. Es war das gleiche Gefühl wie beim Marathon laufen auf den letzten zwei, drei km, wo man einfach nur noch das Ziel vor Augen hat und die Anstrengung des Weges völlig verschwindet. Von nun an konnten wir die halbe Runde im Schatten laufen und es wurde merklich kühler, richtig angenehm. Ich weiß nicht, wieviele Liter ich getrunken habe, es müssen etliche gewesen sein… Auch die richtig schnellen wurden jetzt langsamer bzw hörten ganz auf. Es wurden insgesamt immer weniger Rundendreher aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Dann schlug die letzte Stunde an. Nachdem wie jede Stunde, die Ergebnisse durchgesagt wurden und ich mir ein letztes Gründels Fresh gegönnt habe, war ich richtig beflügelt und die Zeit verging wie im Fluge. Fast bei jeder Runde wurden einzelne Läufer durchs Mikro angespornt oder etwas über den ein oder anderen bekannten Läufer erzählt. Ich merkte zu dem Zeitpunkt keine Erschöpfung oder Motivationslosigkeit. Als dann die letzten 5 Minuten anliefen, war ich bei km 84. Da gab ich dann noch einmal richtig Gas, wollte schließlich die 85 km voll machen. Dies ist mir auch gelungen, die letzten 10 Sekunden wurden über Lautsprecher runter gezählt und ich hatte noch Kraft für einen Schlusssprint:-) Peng, der Pistolenschuss, beendete den 12 h Lauf und alle blieben zur Restmetervermessung stehen wo sie standen. Irgendwie war dann aber auch die Luft raus bei mir, alle Anspannung war weg und ich merkte, dass ich doch ein wenig müde und erschöpft war:-) Am Verpflegungsstand bekam ich ein wenig Salbe um meinen Sonnenbrand zu löschen. Aber ich war/ bin so stolz, dass alle kleineren körperlichen Unzulänglichkeiten nicht ins Gewicht fallen. Ich hätte nie und nimmer gedacht, dass es mir so leicht fällt, 12 h mehr oder weniger zu laufen, dass ich überhaupt keine Motivationsschwierigkeiten haben würde und soviel Freude dabei empfinden könnte. Echt Wahnsinn sowas. Eine völlig neue und tolle Erfahrung. Und dann noch 3. Platz von den Frauen…